Ein Jubiläumsfest
300 Jahre Weihe unserer Stiftskirche!
Was wissen wir über den Tag der Kirchweihe im Jahr 1726
Leider sind die Quellen bezüglich der Weihe unserer Kirche eher dürftig. So fehlt die seit alters her immer bedeutende Weiheurkund
e; sie kann weder in Passau noch in unserem Kloster ausfindig gemacht werden. In den Aufzeichnungen über die Tätigkeiten des Kardinals Joseph Dominikus Graf von Lamberg steht: „Am 28. September weihte er die Kirche des Klosters mit dem Patronat Hl. Jakobus.“ Am 30. September weihte er die Kirche von Sautern. Der Geschichtsschreiber unseres Klosters, P. Florian Zeller, vermerkt dazu noch: Der Fürstbischof hatte den Jesuiten P. Ignaz (einen Medizindoktor), 2 Hofkapläne, 2 Kämmerer, 2 Heiduken, 1 Sakristan und 6 andere Diener bei sich. Im Ganzen firmte er an diesen drei Tagen 8992 Personen. In Kirchdorf katechetisierte der Fürstbischof 1 ½ Stunden.
Das jährliche Kirchweihfest
Es war üblich, dass der Bischof auch den Tag festlegte, an dem jährlich die Kirchweihe zu feiern war: Kirchweihfest feierte man nach Bestimmung des Bischofs am 3. Sonntag nach Ostern. (An diesem Tag – so die Chronik – erhielt der Konvent auch die doppelte Weinportion.) Bis etwa 1791 wurde Kirchweihe also nach Ostern gefeiert. Kaiser Josef II legte fest, dass der dritte Sonntag im Oktober Kirchweihtag aller Kirchen sei. Bis 1950 wurde dies dann auch so beibehalten. P. Florian Zeller erwähnt in seiner Hausgeschichte zweimal den Kirchweihtag: einmal mit 23. September, einmal mit 30. September. Es kann sich hier um einen Schreibfehler handeln. In den letzten Jahrzehnten wurde das Fest jedenfalls am 23. September gefeiert. Da der 28. September aber geschichtlich gesichert belegt ist, wird ab kommenden Jahr dieser Tag als Fest der Weihe unserer Kirche gefeiert.
Ein Kardinal kam zur Weihe
Zuständig für die Weihe der Kirchen in der Diözese war damals der Bischof von Passau. Die Diözese Linz war noch nicht gegründet. Wer war dieser Bischof der die Reise ins Kremstal auf sich nahm? Joseph Dominikus Lamberg wurde 1680 auf Schloss Lamberg in Steyr geboren. In Passau empfing er die Priesterweihe und wurde 1712 Bischof des Bistums Seckau. 1723 wurde er der 68. Bischof von Passau. 1738 erhob ihn der Papst zum Kardinal. Während seiner langen Amtszeit als Bischof von Passau wurden viele Kirchen und Klöster neu erbaut beziehungsweise umgestaltet und von ihm geweiht. Der Fürstbischof kümmerte sich vor allem um den Ausbau des deutschen Schulwesens und unternahm etwa hundert Visitationsreisen. Er starb im August 1761 in Passau und ist in der Gruft des Doms bestattet.
Kirche längst fertig
Unsere Kirche war, als sie 1726 geweiht wurde, wohl schon lange in Verwendung. Die Kanzel ist mit 1695 datiert, das Hochaltarbild mit 1701. Eine Erklärung für die lange „Wartezeit“ auf die Weihe durch den Bischof ist vermutlich, dass man beide Kirchen zur Gänze fertiggestellt haben wollte und der Bischof, aufgrund der Größe seiner Diözese, auch nur selten zu Besuch kam.
Gedanken zum Kirchenraum
Kirchengebäude – wie immer sie auch aussehen – hatten und haben zwei Grundfunktionen: Sie sind ein Haus, das die besondere Gottesbegegnung erleichtert, indem es ein Raum jenseits des Alltags schafft. Dieser Raum sieht anders aus und dort wird eine andere Sprache gesprochen als jene im Alltag. Gleichzeitig ist es ein Raum der Begegnung miteinander und des gemeinsamen Feierns.
Was dachten sich nun die für den Bau unserer Kirche Verantwortlichen?
Aus den vermutlich kleinen Hütten und Häusern über die staubigen Straßen des 18. Jahrhunderts kommend, betrat man einen goldglänzenden Raum – es war hier drinnen noch wesentlich prachtvoller vergoldet, als es heute ist. Was sollte das bedeuten? War dies nicht Verschwendung? Sicherlich wollte man die Bedeutung des kleinen, noch jungen Klosters unterstreichen. Vor allem aber sollte sich den Menschen von damals der Himmel öffnen. Man wollte ihnen eine ganz andere Welt als den oft von Mühsal und Not geprägten Alltag zeigen: Fülle, Schönheit, wohlgenährte Putten, Fruchtgirlanden und Goldglanz, sie sollten auf eine Herrlichkeit verweisen, die bei Gott in noch viel größerer – figürlich nicht darzustellen und nicht in Worte zu fassen – auf den Menschen wartet. Es ist ein Raum der besonderen Art, der zeigen möchte, was im Johannesevangelium so ausgedrückt wird: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben.“
Ja, der Mensch braucht diese besonderen Räume der Gottesbegegnung – diesen Verweis auf die Transzendenz. Dennoch war sich der glaubende und suchende Mensch immer bewusst, dass ein Raum die Größe Gottes niemals fassen kann.
Gott wohnt nicht in Häusern, die wir ihm bauen. Wir können und dürfen ihm hier zwar in besonderer Weise begegnen, ihn in unserem neu restaurierten Kirchenraum feiern und verehren – vor allem aber hat er als Mensch unter Menschen gewohnt. Er hat das Menschsein angenommen, damit wir an seinem Gottsein Anteil haben: hier auf Erden und erst recht einmal bei ihm.
Genießen und nutzen wir diesen Raum für eine besondere Begegnung mit Christus in der Feier des Gottesdienstes. Er ist uns von unseren gläubigen Vorfahren geschenkt worden. Nutzen wir ihn auch zur Begegnung mit den mitglaubenden Christinnen und Christen von heute! Beleben wir aber auch das Heute, indem wir hinaustragen in diese Welt, was wir hier immer wieder feiern, seine Gegenwart!

